Der Kiebitzschutzzaun um die Ausgleichsfläche am Flugplatz Reichelsheim,
ein gelungenes Projekt!
 
   

Hoffentlich findet dieses Projekt viele Nachahmer!

Ausnahmsweise berichte ich hier von einem Projekt, das außerhalb des Bingenheimer Rieds liegt, nämlich 3,5 km südlich davon in der Horloffaue Reichelsheim, östlich vom Flugplatz. Im Winter 2017/2018 wurde dort die circa 6ha große Ausgleichsfläche prädatorensicher eingezäunt.
Maßgebliche Initiatoren waren Fachleute der HGON und insbesondere ein Mitarbeiter vom Forstamt Nidda, der es trotz anfänglichen Gegenwinds schaffte, die nötigen Finanzierungsmittel zu organisieren.

Liebe naturinteressierte Besucher und Naturfotografen!
Der einzige Beobachtungspunkt liegt in oder an der Beobachtungshütte auf dem Hügel im Osten des Gebiets, also östlich des Horloff-Flutgrabens. Man erreicht ihn über Leidhecken. In Leidhecken fährt man an das südliche Ende der Unterdorfstraße, parkt dort und läuft dann nach Süden. Wenn man das Pappelwäldchen links passiert hat, sieht man rechterhand die Beobachtungshütte. Bitte gehen sie auf keinen Fall näher an den Zaun. Der gesamte Südteil der Horloffaue, umrandet von Horloff-Flutgraben und Horloff, ist während der Brutzeit gesperrt, auch der Mittelweg.

9.2.2021: Viele Graugänse, darunter auch Tundrasaatgänse und Weißwangengänse rasteten in der Fläche. Sogar ein Trupp von 34 Kranichen hat dort wahrscheinlich übernachtet. Es ist erstaunlich, wie schnell viele Vogelarten die Sicherheit im Gebiet erkannt haben. Wie sagte ein Jagdpächter so schön: Das ist ja für die wie Hola beim Fangen spielen.


27.3.2020



14.2.2020: Vor der Brutzeit wurde das Gebiet gerne von durchziehenden Kiebitzen zur Rast aufgesucht.

 

Stefan Stübing und Gerd Bauschmann berichten in der „Zeitschrift Vogel und Umwelt", Zeitschrift für Vogelkunde und Naturschutz“ Band 24 (2020) in dem Artikel "Wirksamkeit eines stationären Prädatorenschutzzaunes auf Brutbestand und Bruterfolg des Kiebitzes (Vanellus vanellus) im Wetteraukreis" über dieses Projekt. Der Artikel ist sehr lesenswert. Dort wird z.B. auch über die anderen Brutvogelarten, die von dem Zaun profitieren, berichtet.
Hier kann man sich das Heft herunterladen:
Downloads (vswffm.de)

Stefan Stübing, der Profi,  zählte im Jahr 2019 dort 52 Gelege mit mindestens 89 flüggen Jungen. Im Jahr 2020 waren es dann sogar 79 Weibchen mit 178 Kücken, wie in dem Artikel zu lesen ist. Im Jahr 2020 habe ich viele Stunden in der Beobachtungshütte verbracht. Meine Amateurzahlen lagen, vermutlich aufgrund unterschiedlicher Zählarten und vielleicht auch Interpretationsweisen deutlich niedriger. Das Gebiet ist so oder so ein toller Erfolg für den Kiebitzschutz. 

In dem Artikel wird weiter von 380 Euro laufenden jährlichen Kosten ausgegangen. Mir erscheint dieser Betrag viel zu niedrig, auch wenn ich die genauen Kosten nicht kenne. Die folgenden Arbeiten müssen damit finanziert werden:
1. Der jährlicher Zeitaufwand des Forstamts Nidda für die Organisation des Zauns mit allem, was dazu gehört.
2. Regelmäßige Überprüfung dieses circa 1 km langen Zauns inklusive der Überprüfung der Stromversorgung und kleinerer Reparaturen. Vermutlich sind dafür mehr als 10 Fahrten eines Lohnunternehmers zum Gebiet pro Jahr nötig.  In dem Artikel werden übrigens circa 3 km Länge des Zauns angegeben. Nach meinen Berechnungen mit Hilfe von Google-earth ist er aber nur circa 1km lang.
3. Die Kosten für den Profizähler, der die Erfolgskontrolle macht. Auch diese Arbeit muss mehrere Jahre gemacht werden, solange man noch nicht genug Erfahrung mit solchen Zäunen hat.
4. Overheadkosten bei den Behörden.
Wenn nicht einige Arbeiten von Ehrenamtlern gemacht werden, kommt man mit 380 Euro sicher nicht hin.
Der Zaun ist keineswegs wartungsfrei. Im Juni 2020 wurden z.B. Einlässe  ausgetauscht. Der Grund ist mir nicht bekannt. Einige Tage wurde Wasser in das Gebiet gepumpt, weil es zu schnell trocken wurde. Ich habe mehrmals beobachtet, wie abfliegende Höckerschwäne am Zaun hängen blieben. Die oberste Litze wurde dabei wahrscheinlich beschädigt.  Ein Höckerschwan kam dabei im April 2019 zu Tode. Es handelte sich um einzelne Schwäne, die in das Gebiet flogen und dann sofort vom „Platzhirsch“ vertrieben wurden und in der Hektik nicht genügend Höhe erreichten. Der tote Schwan wurde dann von einem Fuchs in Stücken abtransportiert 17. und 20.4.2019:


Greife wurden sofort von den Kiebitzen angegriffen und erfolgreich vertrieben. Sie patrouillierten dann nur noch entlang des Flutgrabens , wie diese Kornweihe (27.3.2020) und die Rohrweihe (1.7.2020).

Zwischen der Beobachtungshütte und dem Zaun hielt sich häufig ein Fasan auf und versuchte auf sich aufmerksam zu machen, was aber bei dem tollen Treiben innerhalb der Umzäunung nicht gelang.